Die Notfall-Seelsorge - ...mehr als nur Händchen halten!
Pastor Horst Reinecke (OHA) zeigt Möglichkeiten auf
Auf der diesjährigen OBM- Dienstversammlung (11.3.2010) in Duderstadt zeigte der Ltd. Notfallseelsorger des Landkreises Osterode, Pastor Horst Reinecke, die schwierige Aufgabe der Notfall-Seelsorge für Betroffende von Schadenslagen auf. Hierbei legte er besonders das Augenmerk auch auf betroffende Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, etc.
Im Folgenden referierte Reinicke über die Möglichkeiten der Notfall-Seelsorge :
Was ist, was will und was kann die Notfallseelsorge?
Notfallseelsorge ist ein mobiler Dienst für Menschen, die während oder nach einem Notfallereignis unter starkem seelischen Belastungen leiden oder unter akutem Schock stehen. Notfallseelsorge arbeitet daher eng mit der Feuerwehr, dem Rettungsdienst und der Polizei zusammen. Die Idee der Notfallseelsorge geht zurück auf Erfahrungen von Einsatzkräften, die immer wieder miterleben müssen, wie Verzweiflung Verbitterung und Hilfslosigkeit zurückbleiben, wenn z.B. ein Mensch durch Krankheit oder Unfall plötzlich stirbt, wenn bei einem Wohnungsbrand persönliche Werte verlorengehen oder wenn durch einen Unfall das Leben einer ganzen Familie (wenigstens im Augenblick) aus den Fugen gerät und die Zukunft auf dem Spiel steht.
Diese Erfahrungen, die Notärzte, Angehörige von Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei teilen, legen nahe, dass unmittelbare, struckturierte und organisierte Hilfe für die betroffenen Menschen ebenso selbstverständlich vorgehalten werden muss, wie die medizinische-körperliche Versorgung in Notfällen.
Welche Aufgaben hat die Notfallseelsorge?
Im Wesentlichen bestehen diese in Beziehung und Kommunikation durch seelsorgerisches Gespräch und Präsenz der Seelsorgerin/ -ers vor Ort.
Tätigkeiten in einer Notfallsituation können sein:
+ Begleitung von unverletzten Beteiligten + Begleitung von Verletzten während der Rettung und in Wartezeiten + Begleitung von Angehörigen, die am Einsatzort sind oder dorthin kommen + Fürsorge für erschöpfte und/ oder traumatisierte Einsatzkräfte + Intervention bzw. Betreuung Betroffender, die massiver Gewalt ausgesetzt waren + Beistand bei Todesfällen durch Unfall, Suizid oder Gewalterfahrung + Beistand bei der Überbringung von Todesnachrichten + etc.
Damit bietet die Notfall-Seelsorge einen unverzichtbaren Dienst für alle Bürger/ -innen im Rettungsdienstberech im jeweiligen Landkreis.
Arbeitsweise der Notfall-Seelsorge
Die Betroffenden, die betreut werden, sind Menschen, für die in ihrer Krisensituation niemand Zeit hat. Eine frühzeitig einsetzende, kontinuierliche Betreuung ist jedoch besonders wichtig. Durch die unaufdringliche Anwesentheit der Notfall-Seelsorger entsteht eine Beziehung zum traumatisiertem Menschen. Dieser macht die Erfahrung, dass sprachlos machende Trauer und zunächst unerträgliches Leid von einem Menschen ausgehalten und mit ihm geteilt werden können.
Besonders in dieser ersten Phase der Betreuung liegt der Akzent weniger auf der Gesprächsführung als in einer engagierten Anwesentheit des Notfall-Seelsorgers/ -in.
Das Ziel der Betreuung liegt darin, dass traumatisierte und trauernde Betroffende ihre Handlungsfähigkeit wiedergewinnen und bei der ersten Bewältigung ihrer Eindrücke und der emotionalen Stabilisierung unterstützt werden. Deshalb ist es ein Anliegen, unmittelbar zur Verfügung stehende emotionale und soziale Ressourcen, gemeinsam mit dem Betroffenden, zu erschliessen und für sie nutzbar zu machen.
In Situationen, in denen der Bedarf einer längerfristigen professionellen therapeutischen Intervention absehbar wird, bemüht sich die Notfall-Seelsorge um Vermittlung der Betroffenden.

Wissentschaftlicher Hintergrund
Die Notfall-Seelsorge versteht ihre Tätigkeit als präventive Massnahme gegen die posttraumatische Belastungsstörung und die pathologische Trauerreaktion. Es handelt sich dabei um schwere gesundheitliche Folgeschäden, die durch ein traumatisches Ereignis ausgelöst werden.
Die Betreung von Menschen in Situationen schwerster psychischer Belastung durch die Notfall-Seelsorge entspricht deshalb dem Auftrag des Gesetzgebers an den Rettungsdienst, gesundheitliche Folgeschäden auch im seelischen Bereich u verhindern. Die Verhinderung schwerer gesundheitlicher Folgeschäden ist ein zentrales Anliegen der präklinischen Notfallmedizin. Insofern ergänzt die Notfall-Seelsorge das vorgehaltene Angebot des Notarzt- und Rettungswesen.
Menschen, die unmittelbar unter den Auswirkungen einer extremen psychischen Erfahrung (wie z.B. schwerer Unfall, Tod einer nahe stehenden Person oder Gewalterfahrung) leiden, entwickeln eine "akute Belastungsreaktion" (WHO: ICD 10: F43.0): Sie erleben eine starke subjektive Hilflosigkeit und Orientierungslosigkeit. Sie haben chaotische Eindrücke von den Vorgängen in ihrer Umgebung. Die Wahrnehmung ist eingeschränkt, die Konzentrationsfähigkeit reduziert. Es können starke Gefühlsschwankungen auftreten: Angst, Verzweiflung, Wut, Aggression und andere Emotionen wechseln sich spontan ab. Einige Szenen des Ereignisses prägen sich in das Gedächtnis ein und drängen sich später in der Erinnerung auf. Das Ereignis wird als unwirklich und wie im Traum erlebt (Depersonalition, Derealisation, Dissoziation)
Betroffende Menschen beschreiben dies oft mit den Worten, dass sie "neben sich stehen" und das Ereignis in seiner eigentlichen Tragweite noch nicht realisieren.
Die Symptome der akuten Belastungsreaktion sind zunächst eine normale und physiologisch Reaktion auf ein unnormales Ereignis. Allerdings kann sie chronofizieren und zu einer Erkrankung mit massiven Konsequenzen für die Biographie des Betroffenden werden.
Die Vorbeugung gegen diese schwere Krankheit sieht dieNotfall-Seelsorge als primäre Aufgabe an.
So ist sie "Erste Hilfe für die Seele"
Der Einsatz der Notfall-Seelsorge ist NICHT an konfessionale oder an andere Grenzen gebunden und der Einsatz grundsätzlich kostenfrei!

GeschFhr Tobias Steinmetz, Pastor Horst Reinecke und VerbandVors. Dieter Uschkureit im Nachgespräch.
Pastor Reinecke zeigte an Hand von Realfällen die Wichtigkeit und Arbeit der Notfall-Seelsorge auf. Jeder Einsatzleiter kann bei Bedarf über seine Einsatzleitstelle diese Hilfe anfordern.
Ein Informationsblatt des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen zum Thema "Hilfe für Helfer" ist kostenlos unter der Artikelbezeichnung "Feuerwehr INFO Nr.16" zu beziehen.
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